Neustart eines Familienmitgliedes: Restauration einer "I fly bleifrei" mit sicherlich vieelen Fragen

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Neustart eines Familienmitgliedes: Restauration einer "I fly bleifrei" mit sicherlich vieelen Fragen

Ungelesener Beitrag von Döschewo » Sonntag 15. April 2018, 11:23

Hallo.

Nachdem ich schon ne ganze Weile hier angemeldet bin, es aber erst jetzt geschafft hab, meine vor Jahren angefangene Restauration fortzusetzen, will ich nun die Gelegenheit nutzen, hier eine Art Restaurationstagebuch anzulegen.

Das ist natürlich nicht ganz uneigennützig, denn es werden sicher Fragen aufkommen, die vielleicht in diesem Rahmen zu klären sind.

Ich erzähle aber erstmal die Geschichte hinter der Ente:

Es war im Jahr 1976, da bekam unsere Familie doppelten Zuwachs. Einerseits in Form von meiner Person und aus ebendiesem Grunde auch in Form eines kleinen, sehr günstigen, grünen Fahrzeuges namens döschewo oder so ähnlich ;)
Meine Mutter brauchte ja mit so einem kleinen Schreihals ein eigenes Fahrzeug, um mich in der Weltgeschichte rumzukutschieren, wenn Papa mit "Hauptauto" auf der Arbeit war.

Nachdem meine Mutter zunächst nicht sonderlich begeistert war, wandelte sich ihre Einstellung mit der Zeit. Es wurden Urlaubsziele mit der Ente aufgesucht, sie wurde beim Faschingsumzug als Faschingswagen dekoriert und natürlich die wöchentlichen Fahrten mit mir als Knirps auf dem Rücksitz zum Einkaufen erledigt.

Bild

Sie wuchs meiner Mutter über die folgenden 10 Jahre so sehr ans Herz, dass es einem familiären Trauerfall gleichkam, als der Mann vom TÜV bei der Hauptuntersuchung mit ernster Miene den Kopf schüttelte.

Eine Reparatur des vom Rost zerfressenen Rahmens und der maroden Karosserie war bei einem Neupreis von 4500 DM schlicht unwirtschaftlich, so dass im Jahr 1986 der Entschluss gefasst wurde, eine neue Ente anzuschaffen.

Einerseits, um Spekulationen der Nachbarn über unseren unsagbaren Reichtum zu vermeiden, der wohl vorliegen musste, wenn "einfach so" ein fabrikneues Entlein vor der Tür steht, andererseits sicher auch, weil meine Mutter einen adäquaten Ersatz für "Ihre" grüne Ente wollte, wurde die identische Farbe unverrückbarer Ausstattungspunkt.

Es war zu diesem Zeitpunkt abzusehen, dass zukünftig bleifreier Kraftstoff ausgehen würde, was dazu führte, dass die nagelneue Ente auch diesen Aspekt zu berücksichtigen hatte.

So kam es, dass eine nagelneue grüne "I fly bleifrei" Ente in unser Haus einzog.

Im Jahr 1994 war es dann soweit, auch ich durfte ein Automobil ganz offiziell und legal durch den öffentlichen Verkehrsraum bewegen (wenn ich behaupten würde, dass ich zuvor keine Enten-Fahrerfahrung gesammelt hatte, wäre da nicht so ganz die Wahrheit :lenkrad: :mundhalt: ).

So wurde die kleine grüne "I fly bleifrei" Ente mein erstes Automobil. Damit erregte ich damals mindestens soviel Aufsehen, wie die "coolen" Jungs mit den tiefergelegten 1er Golfs.

Von all den Abenteuern zu berichten, die mir diese erste Zeit der unbegrenzten Freiheit brachte, würde hier sicher den Rahmen sprengen, darum nur soviel:

Noch heute kommt es gelegentlich vor, dass ich von damaligen Mitschülern oder Freuden von damaligen Freunden, mit denen ich eigentlich nichts zu schaffen hatte, mit den Worten "Du warst doch der mit der grünen Ente" angesprochen werde.

Nun ja, nach einem halben Jahr musste ich die Ente leider wieder meiner Mutter zurückgeben, denn die Vergütung meiner Berufsausbildung ermöglichte mir nun, ein eigenes Auto zu besitzen.

Die Jahre vergingen, die kleine grüne Ente ereilte dasselbe Schicksal, wie ihre Vorgängerin. Im Jahr 2002 war es vorbei mit dem Segen des TÜVs und das mit knapp 50.000 Kilometern. Im Rahmen des Ententreffen anlässlich der durch das Saarland führenden Tour de France wurde ihr noch eine besondere Ehre zuteil, indem sie einen Teil des auf die Wiese geparkten Schriftzuges "le tour 2002" bilden durfte.

Bild
(Quelle: http://www.happyents.de/berichte/tour_d ... e/tour.htm)

Obwohl sich damals tatsächlich eine identische Ente für kleines Geld als Ersatz fand, wurde die erste "I fly bleifrei" nicht verkauft sondern eingemottet. Platz ist einfach der größte Luxus :roll:

Es zeichnete sich wohl damals schon ab, dass ihre Geschichte noch nicht zu ende erzählt war...

Bild


Mein Weg vollzog einige Kurven und Wendungen, so dass ich die Ente zwar im Zeitraum bis 2006 vollständig zerlegt und schon jede Menge Teile beschafft hatte, sich jedoch keine Zeit mehr für den Wiederaufbau fand.

Die Ersatzente, von meiner Mutter mit dem Kosenamen "Dominik" versehen, war nun ebenfalls am TÜV oder vielmehr an der Reaktionsfreudigkeit französischer Bleche mit Wasser und Sauerstoff gescheitert und wurde an einen Liebhaber (so hoffe ich zumindest) verkauft.

2007 überschlugen sich dann die Ereignisse, meine Mutter wurde sehr krank und starb noch im selben Jahr.

Anlässlich der Familliengeschichte dürfte nun klar sein, dass die Ente, Mamas Ente für mich nicht nur irgendein lustiger Oldtimer ist.

Es ist an der Zeit, dass sie wieder das tut, wozu sie gebaut wurde, und hier beginnt der Weg dahin.



Grüsse

Christian
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Re: Neustart eines Familienmitgliedes: Restauration einer "I fly bleifrei" mit sicherlich vieelen Fragen

Ungelesener Beitrag von Döschewo » Sonntag 15. April 2018, 17:18

Das war bis letzte Woche der Ist-Stand:

Bild

Die letzten Tage habe ich damit verbracht, den Rahmen für die Lackierung vorzubereiten und hab ihn mit Zinkreiniger und Schleifpads ordentlich abgeschrubbt, damit die Farbe auch hält.

Bild

Heute hab ich den Rahmen dann mit Brantho Korrux 3 in 1 lackiert.

Bild

Wenn der Lack getrocknet ist, gehts an den Aufbau des Rahmens.

Ich habe dazu neu besorgt:

-Federtöpfe Edelstahl komplett
-4 neue Stoßdämpfer
-Das gesamte Befestigungsgedöns für die o.g. Teile in Edelstahl

Aufgrund der geringen Laufleistung von nicht ganz 50.000km will ich die restlichen Fahrwerksteile -bis auf Verschleißteile natürlich- ohne große Überarbeitung wiederverwenden.
Die Lager der Schwingarme sind noch schön gefettet und das Innere völlig rostfrei.

Es gibt am Lenkgetriebe und den vorderen Schwingarmen überhaupt keinen Rost, an den hinteren Schwingarmben und der "Hinterachse" ein wenig oberflächlichen Rost.
Hier habe ich geplant, nach gründlicher Rostentfernung mit Brantho Korrux 3 in 1 zu lackieren.

Und schon kommen die ersten Fragen:

1. Spricht gegen die Lackierung der Teile mit Brantho 3 in 1 etwas dagegen?

Die Befestigungsschrauben kommen natürlich neu.

2. Weche Schrauben und Schellen brauch ich eigentlich für den Umbau der kompletten Schwinarme an den neuen Rahmen? :suche:

Beim Franzosen werd ich nicht so richtig fündig.


Grüsse

Christian
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Re: Neustart eines Familienmitgliedes: Restauration einer "I fly bleifrei" mit sicherlich vieelen Fragen

Ungelesener Beitrag von Siegfried » Sonntag 15. April 2018, 18:09

Du brauchst doch nur die Schrauben für die Achsen zu befestigen.
Die Schwingarme sind doch an der Achse fest.
4 kurze Achsschrauben vorne und 4 lange hinten (wegen dem Aluklotz).
Dazu dann noch 4 Sicherungsbleche.
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Re: Neustart eines Familienmitgliedes: Restauration einer "I fly bleifrei" mit sicherlich vieelen Fragen

Ungelesener Beitrag von Döschewo » Sonntag 15. April 2018, 18:28

Das war der Plan, den ganzen Schwingarmkram vorne und hinten einfach ummontieren (abgesehen von der Bearbeitung des oberflächlichen Rosts).
Ich hatte im Gedächtnis, dass es so eine Art Schelle gibt, die über die Achsrohre verläuft und mit den Schrauben an den Rahmen geschraubt wird.
Ist aber tatsächlich nicht so.

Wieso aber unterschiedlich lange? Beim Franzosen finde ich nur eine Länge, egal ob Vorder- oder Hinterachse.

Grüsse

Christian
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Re: Neustart eines Familienmitgliedes: Restauration einer "I fly bleifrei" mit sicherlich vieelen Fragen

Ungelesener Beitrag von Ramieres » Sonntag 15. April 2018, 18:59

Oft werden nur die langen hinteren angeboten ,die schauen vorne dann weiter raus.
Schönes Projekt ,ich liebe grüne Enten :beifall:
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Re: Neustart eines Familienmitgliedes: Restauration einer "I fly bleifrei" mit sicherlich vieelen Fragen

Ungelesener Beitrag von sleeper » Sonntag 15. April 2018, 19:08

Schau mal bei burton https://www.burton2cvparts.com/?language=de&sort=2a
Die überarbeiten selbst Teile und kennen sich aus.
Franzose ist ein reiner Händler.

Ansonsten ist der Nachbau meist schlechter als der 30 jahre alte Originalteil.
Somit nach Möglichkeit die Teile aufarbeiten.
Hatte erst letzte Woche die Lichtmaschine Neuteil für 70Euro nach 4Monaten und 5000km rausgeschmissen und eine aufgearbeitete Ducellier eingebaut....

Ich würde die Fahrwerksteile mit 2k Epoksygrund und Steinschlagschutz lackieren.
Dann eine Wachs/Seilfettmischung als U-Schutz.
Aber natürlich tut es auch das 3in1.

Bremsleitungen hinten vor Hüttenaufsetzen erleichtert die Sache erheblich.

Spurgelenkhebel/Achsschenkelbolzen wären auch jetzt einfach zu erneuern....sofern Spiel.
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Re: Neustart eines Familienmitgliedes: Restauration einer "I fly bleifrei" mit sicherlich vieelen Fragen

Ungelesener Beitrag von Siegfried » Sonntag 15. April 2018, 19:24

Hab gerade mal bei ein paar Händlern nachgesehen.
Die Achsschrauben sehen alle nicht soll dolle aus, auch wenn 10.9er.
Ich würd auch die originalen aufarbeiten.
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Re: Neustart eines Familienmitgliedes: Restauration einer "I fly bleifrei" mit sicherlich vieelen Fragen

Ungelesener Beitrag von Döschewo » Montag 16. April 2018, 09:27

OK. Ich werde es versuchen, wobei ich nicht glaube, dass das Gewinde noch zu retten ist.
Ich bin am Überlegen, ob ich die Zeit für den Rahmenaufbau nicht nutzen sollte, den Unterbodenschutz unter der Hütte entfernen und die Bodenpartie entrosten zu lassen.

Mir sind die Möglichkeiten

-Trockeneinsstrahlen, anschließend sandstrahlen
-nur Sandstrahlen
-Chemische Entlackung/Entrostung

bekannt.

Was davon würde am meisten Sinn machen?

In erster Linie geht es mir darum, versteckte Rostnester sichbar zu machen und entsprechend zu bekämpfen. Ob jetzt mechanische/chemische Behandlung oder raustrennen und Reparaturbleche einschweißen sein wird, hängt natürlich vom Schadensbild ab.


Grüsse

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Re: Neustart eines Familienmitgliedes: Restauration einer "I fly bleifrei" mit sicherlich vieelen Fragen

Ungelesener Beitrag von fourgonette » Montag 16. April 2018, 10:15

Diese Schrauben gehen eigentlich immer raus, gerade bei der geringen Km Leistung.
Gibt da viele Möglichkeiten.
Wenn die Hütte runter ist, können nebst vorher rostlöser einige feste Schläge mit Dorn auf das Schraubenende helfen. Aber nicht breitklopfen!
Vorher auch auf den Kopf, das lockert schon mal den Rost in der langen hülse.

Frank
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Re: Neustart eines Familienmitgliedes: Restauration einer "I fly bleifrei" mit sicherlich vieelen Fragen

Ungelesener Beitrag von NT81Bonn » Montag 16. April 2018, 11:24

Moin Christian.
Du wirst mit Trockeneisstrahlen nur Bitumen-UBS runterbekommen. Der PVC-UBS geht damit nicht runter.
Nimm die Flex mit der Zopfbürste (PSA nicht vergessen) und schrubb den UBS runter. Danach kannste sandstrahlen lassen. Anschließend 2K-Epoxy drauf.

Andreas
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